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Sind wir Menschen die eigentlichen Supercomputer?


Der Ausspruch des Philosophen René Descartes, über das, was den Menschen einzigartig macht, beginnt hohl zu klingen – „Ich denke, also bin ich veraltet“, scheint besser geeignet zu sein! Wenn ein Computer uns routinemäßig im Schach schlägt und wir kaum ohne die Hilfe eines GPS navigieren können, haben wir dann unseren Platz in der Welt ausgelebt. Nicht ganz. Herzlich Willkommen an der vordersten Front der Forschung über kognitive Fähigkeiten, Quantencomputer und Gaming.

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Ex Machina

Heute gibt es einen laufenden Kampf zwischen Mensch und Maschine. Während echtes (nicht simuliertes) Maschinenbewusstsein noch in sehr weiter Ferne liegt, beginnen wir zu sehen, dass Computer eine Auswahl treffen, die eine Eingabe vom Menschen erfordert. Vor einiger Zeit hielt die Welt den Atem an, als der Google-Algorithmus AlphaGo einen professionellen Spieler im Spiel Go schlug – eine Leistung, um die explosive Geschwindigkeit der Entwicklung in Maschinenfähigkeiten zu demonstrieren.

Dennoch sind wir noch nicht geschlagen – menschliche Fähigkeiten sind immer noch überlegen in den meisten Bereichen. Dies ist eine der Schlussfolgerungen einer aktuellen Studie vom dänischen Physiker Jacob Sherson, die in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurde.

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Jacob Sherson, youngacademy.dk

„Das kann dramatisch klingen, aber wir sind zurzeit in einem Rennen mit der Technologie. Eigenschaften, die einzigartig menschlich erscheinen, werden durch zeitgenössische Algorithmen völlig gewonnen. Unsere Ergebnisse sollen hier demonstrieren, dass es dennoch einen Unterschied zwischen den geistigen Anlagen des Menschen und einer Maschine gibt.“ – erklärt Jacob Sherson.

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An der Schnittstelle zwischen der Quanten-Physik und Computerspielen, Sherson und seine Forschungsgruppe an der Aarhus Universität haben eine der geistigen Anlagen durch Tests mit einer Gruppe von Gamern identifiziert, die uns noch einzigartiger macht, verglichen mit einer enormen Anzahl von Prozessen eines Computers: Unsere Fähigkeit heuristisch an ein Problem zu gehen und die dazugehörige intuitive Lösung. Diese Entdeckung wurde am „Aarhus Universität Ideen Zentrum CODER“ gemacht, wo ein interdisziplinäres Team von Forschern einige menschliche Züge auf die Arbeit eines Computeralgorithmus übertrugen.

Die Quantenphysik verspricht immense technologische Fortschritte in Bereichen von Berechnungen bis hin zu hochpräzisen Messungen. Die Probleme entstehen jedoch dadurch, da es zu komplex geworden ist zu lösen, dass selbst die leistungsfähigsten Supercomputer mit ihnen zu kämpfen haben. Dies ist, wo der Kerngedanke von CODER greift – um die Rechenleistung von Computern mit menschlichem Einfallsreichtum zu kombinieren.

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Intuition

Wie Columbus im QuantenLand, arbeitete die CODER-Forschungsgruppe aus, wie das menschliche Gehirn im Stande ist, Entscheidungen beruhend auf Intuition und angesammelten Erfahrungen zu treffen.

„Wir verhalten uns intuitiv, wenn wir ein unbekanntes Problem lösen müssen, während für den Computer dies unverständlich ist. Ein Computer buttert durch enorme Mengen von Information, aber wir können beschließen, das nicht zu tun, indem wir unsere Entscheidung durch die Erfahrung oder Intuition stützen. Die Gesetze der Quantenphysik diktieren eine obere Geschwindigkeitsbegrenzung für die Datenmanipulation, die wiederum eine ultimative Grenze für die Verarbeitungsleistung von Quantencomputern setzt. Unsere Testgruppe zeigte, im Bereich des Gaming, dass es unsere intuitiven Einsichten sind, die die Quanten-Geschwindigkeitsbegrenzung brechen können.“ – erklärt Jacob Sherson

Wir sind die neuen Supercomputer!

bigstock-Brain-And-Heart-Take-A-Self-Po-94233320-300x208.jpgDer Unterschied zwischen einer Maschine und uns, metaphorisch gesprochen, ist, dass wir intuitiv nach der Nadel im Heuhaufen greifen, ohne genau zu wissen, warum und wo sie ist. Es existiert ein Prozess in uns, auf den wir ganz automatisch und teils sogar unbewusst zugreifen. Wir „ahnen“ beruhend auf unseren Erfahrungen und lassen dabei eine ganze Palette von schlechten Optionen aus und das mit einer Geschwindigkeit, die von den aktuellsten Computern nicht eingeholt werden kann. Solange der Prozess der Intuition nicht vollständig offenbart werden kann (vorerst nicht) wird der Mensch der alleinige „Supercomputer“ bleiben.

– DENKE-ANDERS-BLOG –

Journal Reference:

  1. Jens Jakob W. H. Sørensen, Mads Kock Pedersen, Michael Munch, Pinja Haikka, Jesper Halkjær Jensen, Tilo Planke, Morten Ginnerup Andreasen, Miroslav Gajdacz, Klaus Mølmer, Andreas Lieberoth, Jacob F. Sherson. Exploring the quantum speed limit with computer games. Nature, 2016; 532 (7598): 210 DOI: 10.1038/nature17620

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