Deine Spiritualität ist Materialismus – Wie könnte es etwas anderes sein?


von U.G. Krishnamurti

Das Wollen muss verschwinden!

Wollen muss gehen. Willst du frei sein von etwas, das nicht da ist, was du ‚Leid‘ nennst? Das Wollen frei von Leid und Kummer zu sein, ist Leid und Kummer. Es gibt keinen anderen Kummer. Du willst nicht frei von Leid und Kummer sein. Du denkst über Leid, ohne zu handeln. Dein endloses Denken darüber, frei von Leid zu sein, ist nur mehr Material für Leid. Es (das Denken) setzt keinen Schluss für den Kummer und Leid. Es gibt eigentlich kein Leid, um davon frei zu sein. Das Denken und Kämpfen gegen ‚Leid‘ ist Leid. Du kannst nicht aufhören zu denken, und das Denken ist Leid, es lässt dich immer leiden. Es scheint keinen Ausweg, kein Entkommen zu geben…

Hoffnung ist für morgen, nicht für heute!

Hast du dir jemals diese Frage gestellt, was Sadhana notwendig macht? Warum ist es für dich selbstverständlich, dass es so etwas wie ‚Seelenfrieden‘ gibt. Vielleicht ist die ganze Sache falsch? Ich frage die Frage um zu verstehen, welches Ziel du hast. Darf ich diese Frage stellen?

Wann erwartest du es zu haben? Es ist immer morgen, nächste Woche oder nächstes Jahr. Warum? Warum ist die Stille des Geistes, oder wie auch immer du es nennen willst, erst morgen und nicht jetzt? Vielleicht ist es diese Störung – diese Abwesenheit der Ruhe – durch die Sadhana selbst verursacht wird?

Was auch immer du willst, sogar die sogenannten spirituellen Ziele zu erreichen, sind von materialistischem Wert. Was, wenn ich fragen darf, ist so spirituell daran? Wenn du eine spirituelle Absicht erreichen willst, ist das Instrument, das du verwendest, dasselbe, das du verwendest, um materialistische Absichten zu erreichen, nämlich Gedanken. Und weil das Denken Materie ist, ist es ein Gegenstand – das spirituelle oder bedeutungsvolle Leben – ist ebenso Materie. Deine Spiritualität ist Materialismus!

Auf jeden Fall handelst du nicht, du denkst nur, was zu verschieben wäre. Es gibt einfach nichts anderes, was das Denken tun kann.

Dein Instrument, der Gedanke, womit du deine spirituellen Erfolge erreichen willst, ist das Ergebnis der Vergangenheit. Nimm als Beispiel die Tatsache der Ichbezogenheit. Sie wird verurteilt, während Selbstlosigkeit, eine reine Schöpfung des Denkens, gesucht werden soll. Die Verwirklichung liegt aber immer vor dir, morgen, nächste Woche, nächstes Jahr. Warum ist es nicht möglich, dass du jetzt völlig frei von Ichbezogenheit bist, jetzt sofort in diesem Moment? Und willst du wirklich frei von Ichbezogenheit sein? Du willst es nicht, und das ist es, warum du etwas erfunden hast, was du Selbstlosigkeit nennst. Also, du wirst überhaupt nicht selbstlos sein, denn das Instrument, das du benutzt hast, um diesen Zustand der Selbstlosigkeit oder des Seelenfriedens zu erreichen, ist materialistisch im Wert.

Was auch immer tust, um frei von Ichbezogenheit zu sein, es wird diese nur verstärken. Ich sage nicht, dass du deshalb egoistisch sein sollst, nur das, was an sein abstraktes Gegenteil denkt, das du ‚Selbstlosigkeit‘ genannt hast, ist nutzlos.

Dir ist auch gesagt worden, dass du durch Meditation die Ichbezogenheit zum Ende bringen kannst. Tatsächlich meditierst du überhaupt nicht, indem du nur an Selbstlosigkeit denkst und nichts Selbstloses machst. Ich habe das als Beispiel genommen, aber alle anderen Beispiele sind Variationen der gleichen Sache. Alle Aktivitäten entlang dieser Linien sind genau das Gleiche. Du musst die einfache Tatsache akzeptieren, dass du nicht frei von Ichbezogenheit sein willst.

Du bringst Anstrengung auf, um in ein mühelosen Zustand zu kommen. Wie zum Teufel kannst du dir Mühe machen, um in einem mühelosen Zustand zu gelangen? Anstrengung ist alles was du kennst. Du und alles was du erreicht hast, sind die Ergebnisse der Anstrengung. Die Müheloskeit durch die Anstrengung ist dem Frieden durch Krieg ähnlich. Wie kannst du Frieden durch Krieg haben?

Die ‚Seelenruhe‘, die du willst, ist eine Verlängerung dieses Krieges der Anstrengung und des Kampfes. So ist die Meditationskriegsführung. Du sitzt zum Meditieren, während es einen Kampf gibt, der innerhalb deines Selbsts wütet. Das Ergebnis ist heftig – böse Gedanken, die sich in dir aufhalten. Als nächstes versuchst du, diese brutalen Gedanken zu kontrollieren oder zu leiten, indem du noch mehr Anstrengung und Gewalt in deinen Prozess hineinleitest.

Nun magst du noch „denken“, dass es so etwas wie Seelenfrieden gibt, wenn man seine Gebete oder Meditationen beendet. Nicht wahr?

Es ist das Ergebnis der Erschöpfung, das ist alles. Deine Versuche, deine Gedanken zu kontrollieren oder zu unterdrücken, erschöpft dich nur. Du wirst müde von der Schlacht. Das ist die Mühelosigkeit und Seelenfrieden, die du erlebst.

Du setzt dir selbst Ziele, und deine Ziele geben dir Hoffnung. Aber Hoffnung ist für später! Du möchtest mehr Kenntnisse und Techniken, um deine Ziele zu erreichen. Es gibt keine Garantie, dass du deine Ziele jemals erreichen wirst. Doch du widerstehst, weil es das ist, was du kennst. Und die Hoffnung bleibt! (U.G. Krishnamurti – Mythos Mind S35-37)

– DENKE-ANDERS-BLOG –

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